Mandeln

Mandelentzündung/Angina (Tonsillitis)

Oben im Rachen befinden sich die Rachenmandeln, unten die Zungengrund- und links und rechts die Gaumenmandeln. Blickt man in den Rachen, sieht man die Gaumenmandeln.

Grundsätzlich lassen sich Schmerzen im Halsbereich als Warnsignal des Körpers bezeichnen. Die Ursache der Angina ist meist eine bakterielle, seltener eine virale Infektion. Krankheitserreger, die über den Mund und Nase eindringen, lösen in den Mandeln eine Abwehrreaktion aus. Dadurch schwellen die Mandeln an und es kommt zu den typischen  Halsschmerzen. Mandelentzündungen treten vorwiegend in der kalten Jahreszeit auf. Meistens sind die Gaumenmandeln bei einer Angina betroffen. Die häufigsten Beschwerden bei einer Mandelentzündung sind Halsschmerzen beim Schlucken, sie können bis in die Ohren ausstrahlen.

Halsentzündung

  • Halsschmerzen sind meist eine Begleiterscheinung bei Erkältung und Grippe. Die häufigsten Symptome sind stechende, brennende Schluckschmerzen und Heiserkeit. Die Symptome sind zwar schmerzhaft, aber harmlos. Halsentzündungen werden v.a. durch Viren ausgelöst.

Andere Formen von Halsentzündungen

  • Stimmband- oder Kehlkopfentzündung (Laryngitis): Sie wird durch Viren, seltener durch Bakterien verursacht. Es kommt zu Halskratzen, Klossgefühl, Heiserkeit, hartnäckigem trockenen Husten. Bei kleinen Kindern kann sich daraus ein Pseudokrupp entwickeln.
    siehe Pseudokrupp
  • Rachenschleimhautentzündung (Pharyngitis): Sie tritt im Zusammenhang mit entzündlichen Infektionen im Mund-Rachenraum auf. Es kommt zu schmerzhaften Schluckbeschwerden.
  • Saisonale oder chronische Halsschmerzen durch Allergien wie Heuschnupfen, Tierallergien, usw.
  • Durch Rückfluss von Magensäure kommt es zu Entzündungen im Kehlkopf (Sodbrennen, Reflux).
  • Diphtherie
  • Epiglottitis (Kehldeckelentzündung). Unterscheidung zu Pseudokrupp

Mandelentzündung (Angina/ Tonsillitis)

  • Akute Mandelentzündung treten überwiegend im Kindesalter auf. Mit zunehmendem Alter und Entwicklung des Immunsystems erkranken die Kinder seltener.
  • Chronische Mandelentzündungen: Zeichen einer chronischen Mandelentzündung sind stark zerklüftete Oberflächen der Mandeln, narbige Verwachsungen, Sekretentweichung auf Druck, gerötete Gaumenbögen, geschwollene Lymphknoten in den Kieferwinkeln, ein erhöhter Antistreptolysin-Titer im Blut sowie wiederholt nachgewiesene Bakterien im Tonsillen-Abstrich.
  • Virale Anginen: Meist kommt es nur zu subfebrilen Temperaturen (unter 38°C). Begleitsymptome sind Schnupfen, Heiserkeit, Husten, Ohrenschmerzen, Bindehautentzündung.
  • Bakterielle Anginen: Meist besteht hohes Fieber und die Symptome sind ausgeprägter, als bei einer viralen Mandelentzündung, am häufigsten sind Streptokokken oder Pneumokokken die Verursacher. Da es verschiedene Typen von Streptokokken gibt, ist es möglich, immer wieder an Anginen zu erkranken.
  • Seitenstrangangina: Eine Seitenstrangangina ist eine seltene Form der Rachenentzündung. Es sind v.a. die Lymphbahnen betroffen. Charakteristisch für die Seitenstrangangina sind die geschwollenen Lymphknoten im Kiefer- und Halsbereich, die fast immer mit Schmerzen auf Druck reagieren. Begleiterscheinungen sind Ohrenschmerzen, Schluckbeschwerden und Kopfschmerzen. Im Verlauf der Erkrankung kommen dann Reizhusten, Mattigkeit und Fieber hinzu. Ausgelöst wird die Krankheit in der Regel durch Bakterien, allerdings ist nicht selten ein Virusinfekt vorangegangen, so dass das Immunsystem bereits geschwächt war. Die Seitenstrangangina kommt v.a. bei Patienten vor, bei denen die Mandeln bereits operativ entfernt wurden.

Ursachen Mandelentzündung (Angina)

  • Erkältung, Grippe
  • Überbeanspruchung der Stimme
  • Reizung der Atemwege durch Rauch, trockene Luft, Abgase.
  • Chronische Entzündungen durch „Herde“ (Nebenhöhlen; Zahnwurzeln; Amalgambelastung)
  • Mittelohrentzündungen
  • Kinderkrankheiten wie: Masern; Mumps; Pfeiffersches Drüsenfieber (Mononukleose); Pseudokrupp.
  • Scharlach (hochgradig geröteten Rachen, meist himbeerrote Zunge. Hohes Fieber. Manchmal kleinfleckiger Ausschlag, meist am Oberkörper beginnend, sich dann von dort ausbreitend).
  • Allergien
  • Kehlkopfentzündung; Epiglottis; Morbus Hodgkin; Schilddrüsenentzündung; Diphtherie
  • Stress; seelische und körperliche Überbelastung (sie verursachen eine Immunschwäche).
  • Schlafmangel
  • Mangel an Vitaminen, Mineralstoffen

Symptome

  • Kratzen, Schmerzen beim Schlucken und Sprechen, bisweilen in die Ohren ausstrahlend.
  • Engegefühl im Hals durch die geschwollenen Mandeln.
  • Rötung der Gaumenmandeln.
  • Bei bakterieller Infektion erkennt man weissliche Beläge oder Eitertröpfchen auf den Mandeln. Bei einem voll ausgebildeten Krankheitsbild kommt es auf den vergrösserten Mandeln zur Bildung von weiss-grauen Belägen.
  • Eine Streptokokkenangina beginnt plötzlich mit starkem Fieberanstieg. Virale Mandelentzündungen haben hingegen meist weniger ausgeprägte Krankheitszeichen.
  • Gliederschmerzen, allgemeines Unwohlsein, Mattigkeit, Fieber, Kopfschmerzen.
  • Kleine Kinder klagen häufiger über Bauchschmerzen, Ohrenschmerzen, Übelkeit und Erbrechen als über Halsschmerzen.
  • Bei Kindern können die Mandeln so gross werden, dass sie schlecht schlucken können. Bei chronischen Entzündungen ist die Folge, dass sie schlechte Esser sind.
  • Die Lymphknoten am Unterkiefer sind geschwollen, schmerzen auf Druck.
  • Die Zunge ist belegt.
  • Es kann zu Mundgeruch kommen.
  • Heiserkeit; klossige Sprache
  • Scharlachähnlicher Hautausschlag (bei Ersterkrankung mit Streptokokken Typ A).
  • In der Regel klingen die Beschwerden nach etwa einer Woche von selbst wieder ab. Selten können die Mandeln auch als Streuherde für chronische Gelenk- (Arthritis), Nieren- (Glomerulonephritis) oder Herzentzündungen (Endokarditis) sein. Eine seltene Komplikation ist auch der Peritonsillar-Abszess.

Suchen Sie bitte einen Arzt auf bei:

  • Schluckbeschwerden, die bis in die Ohren ausstrahlen,
  • der Speichel nicht mehr geschluckt werden kann,
  • die Nahrungsaufnahme kaum mehr möglich ist,
  • Die Mandeln hochrot und geschwollen sind,
  • sie einen weisslich, gelben, streifigen, punktierten oder schmierigen Belag an den Mandeln bemerken,
  • plötzlich sehr hohes Fieber auftritt,
  • sich der Allgemeinzustand reduziert,
  • starker Mundgeruch auftritt.

Achtung:
Gefahr der Epiglottitis
siehe Pseudokrupp

Behandlung Klassische Homöopathie

Rachenmandel (Adenoid),  Zungengrundmandel und Gaumenmandeln (Tonsillen) gehören wie der Blinddarm zum lymphatischen System. Dieses hat eine wichtige Aufgabe bei der Immunabwehr. Bereits die „alten Ärzte“ haben die Mandeln als „Wächter des Rachens“ bezeichnet. Das heisst, „ein Infekt bleibt dort hängen“, sind die Mandeln hingegen raus, geht er weiter. Dieser alten Weisheit wird auch in der modernen Medizin wieder mehr Beachtung geschenkt. Man ist zurückhaltender geworden bei Mandeloperationen. Heute gilt die Empfehlung, besser nicht unter vier Jahren, und nur, wenn mehr als 4 Infekte pro Jahr vorkommen.

Neugeborene haben noch keine wirksame Abwehr, sie erhalten die Antikörper der Mutter (Schwangerschaft und Muttermilch). In den ersten zwei Lebensjahren (v.a. zwischen dem 5. und 24. Monat) tragen verschiedenste Infektionskrankheiten dazu bei, das Immunsystem des Kindes aufzubauen und zu schulen. Bis zum Vorschulalter erkranken Kinder deshalb besonders häufig an Erkältungskrankheiten. So ist es für manche Kinder im Infektalter ein völlig natürlicher Zustand, wenn in den Wintermonaten ihre Lymphorgane geschwollen sind. Kinderkrankheiten und Infektionskrankheiten dienen dem Körper also zur Schulung des Immunsystems. Entstehendes Fieber ist ein Zeichen, dass die körperliche Abwehr funktioniert.  Der natürliche Umgang mit Infektionskrankheiten wie Schnupfen, Husten, Grippe, Kinderkrankheiten bildet daher die  Grundlage für ein funktionstüchtiges Abwehrsystem.
siehe Fieber

Die Tonsillitis tritt am häufigsten zwischen dem 5. und 11. Lebensjahr auf. Wenn einem Kind die Mandeln schon früh (gewissermassen zur Vorbeugung von späteren Komplikationen) entfernt werden, bedeutet dies nicht, dass das Kind „geheilt“ ist. Eine operative Entfernung der Mandeln sollte bei Kindern wirklich die letzte Alternative bleiben. Zuvor gilt es konservative Therapiemöglichkeiten zu nutzen. Durch Antibiotika und Operation wird der Krankheit bloss das Terrain genommen, die zugrundeliegende Störung (schwache Lebenskraft) bleibt hingegen bestehen. Oft folgen Allergien (chronischer Husten, Heuasthma, Asthma bronchiale) oder eine Neurodermitis. Im homöopathischen Praxisalltag ist dies leider die Wirklichkeit. Krankheit ist ein komplexes Geschehen. Sie tritt nicht nur dann auf, wenn Erreger vorhanden sind, sondern dann, wenn ein Ungleichgewicht zwischen seelischen und körperlichen Kräften besteht. Wie oft habe ich beobachtet, dass Halsschmerzen beim Kind auftauchen, wenn ein Geschwisterchen auf die Welt kommt, oder zu diesem Zeitpunkt das Besuchsrecht zwischen den Eltern „ausgehandelt“ wird.

Mandelentzündungen werden in der klassischen Homöopathie nie als Lokalkrankheit, sondern als Allgemeinerkrankung behandelt. Ziel der Behandlung ist nicht die Eliminierung von Bakterien oder Viren, sondern die Stärkung des Immunsystems. Die Homöopathie bietet eine Möglichkeit, bei Hals- oder Mandelentzündungen auf sanfte Weise zu helfen. Selbst wenn Herz und Nieren durch vereiterte Mandeln belastet sind, können sie durch homöopathische Arzneien beeinflusst werden.

Eine homöopathische Behandlung erspart jede Menge Medikamente und deren Nebenwirkungen. Eine Operation kann dadurch meist vermieden werden. Man benötigt auch keine spezielle Untersuchungen, es zählen die individuellen Symptome. Jedes Kind, jeder Patient verhält sich während seiner Krankheit anders, hat andere Modalitäten (Verschlimmerungen oder Verbesserungen der Beschwerden oder des Zustandes z.B. durch Wärme oder Kälte, usw. ). Bei bakteriellen Mandelentzündungen sind die Patienten sehr krank, haben hohes Fieber, Gaumen und Rachenwand sind gerötet, die Lymphknoten am Kiefer hart und druckempfindlich. Kleine Kinder klagen oft über Bauchschmerzen, sind abgeschlagen, wollen nicht trinken, erbrechen. Eine virale Mandelentzündung ist hingegen ist nicht so heftig, das Fieber niedriger, die Mandeln kaum vergrössert, die Halsschmerzen schwächer ausgeprägt.

Bei einer homöopathischen Akutbehandlung darf innert zwei bis drei Stunden eine deutliche Besserung erwartet werden. Je akuter, je heftiger die Symptome sind, um so mehr ist eine gute Zusammenarbeit zwischen Patient/ Eltern und Homöopath notwendig. Meine Patienten erhalten immer sehr genaue Anweisungen, wann sie sich nach der Mitteleinnahme bei mir telefonisch melden müssen. Nur so kann von mir die korrekte Wahl des Heilmittels, die Potenz und der Krankheitsverlauf in Richtung Heilung beurteilt werden. Ist dies nicht erwünscht/möglich, wird zum Vornherein an den behandelnden Arzt/Hausarzt verwiesen.

Meldet sich ein Patient unter Antibiotika-Behandlung, dann empfehle ich die Einnahme unbedingt zu Ende zu führen.

Einige Gedanken zur Mandelentzündung/Angina

  • Immer weniger Mütter machen auf natürlichem Wege Kinderkrankheiten durch. Damit wird die natürliche „Immunisierung“ des Kindes in der Schwangerschaft und Stillzeit nicht mehr möglich. Antikörper durch Impfungen haben keinen Immunitätsschutz für Säuglinge. Säugling und Kleinkinder erkranken deshalb immer früher und leider auch stärker an Infekten der oberen Luftwege. siehe Impfdossier
  • Viele Erwachsene die zum Homöopathen kommen, litten unter wiederkehrenden Infekten (Ohrenschmerzen, Nebenhöhlenentzündungen, Husten, Bronchitis) welche zwar behandelt wurden, aber mit der Zeit chronisch wurden. In der Homöopathie spricht man von einer unterdrückenden Behandlung, wenn eine akute Krankheit durch eine Behandlung zwar verschwindet, es aber zu einer Symptomeverschiebung kommt. Die Krankheit geht tiefer. Das Kind bekommt z.B. nach einer behandelten Mittelohrentzündung immer wieder Ohrenschmerzen, welche immer wieder mit Antibiotika „wegbehandelt“ werden. Anstatt die Ausscheidungsreaktion des Körpers zu unterstützen, wird das Fieber gesenkt und die Bakterien durch Antibiotika vorerst „wegbehandelt“. Im nächsten Winter taucht dann ein verschleimender Husten auf, der wiederum mit Medikamenten behandelt wird, damit das Kind (und die Eltern) nachts schlafen kann. Der Husten wird daraufhin chronisch, kommt in kürzeren Abständen, jeder Schnupfen löst bereits eine Verschleimung aus. Die erste Bronchitis oder eine Lungenentzündung sind dann die nächste Etappe in der Krankengeschichte, oder es entwickelt sich gar ein Asthma. Dies kann geschehen, wenn die Lebenskraft nicht dabei unterstützt wird, Ausscheidungsreaktionen erfolgreich zu beenden und durch Fieber die Bakterien zu eliminieren. Die Lebenskraft wird dadurch geschwächt.
    In der Homöopathie haben solche „Krankheits-Unterdrückungen“ einen grossen Stellenwert bei der Behandlung von chronischen Krankheiten. Deshalb werden Mandelentzündungen auch sehr ernst genommen. Um solche Unterdrückungen zu vermeiden, behandelt die Homöopathie ausschliesslich von innen mit Arzneimitteln, welche immer auf die Gesamtheit der Symptome (Körper, Seele und Geist) verschrieben werden. Dadurch wird der Organismus/Lebenskraft angeregt, sich selber zu heilen.
  • Mandelentzündungen sind oft ein Hinweis, dass eine chronische Darmstörung vorliegt (oft zu beobachten nach Antibiotikagaben bei Mittelohrentzündungen).
  • Streptokokkeninfektionen hinterlassen keine Immunität. Nach Antibiotikabehandlungen erleben wir in homöopathischen Praxen immer wieder Fälle, wo ein Scharlach zwar mehrmals mit Antibiotika behandelt wurde, trotzdem kommt es immer wieder zu Schluckschmerzen, Abgeschlagenheit (das beste Beispiel, dass der Scharlach „unterdrückend behandelt“ wurde). In der Homöopathie wird hingegen nicht der Scharlach behandelt, sondern das Immunsystem, die Lebenskraft aktiviert.
  • Chronische Herde wie Nebenhöhlenentzündungen, Zahnherde „unterhalten“ Mandelentzündungen.
  • Nach Impfungen beobachten Homöopathen sehr oft wiederkehrende grippale Infekte, chronischen Schnupfen, verschleimende Hustenformen, Ohrentzündungen, Mandelentzündungen und Allergien. Dies ist abhängig vom Gesundheitszustand des Kindes bei der Impfung (aus homöopathischer Sicht). Die miasmatische Belastung spielt hier eine grosse Rolle. siehe Impfdossier
  • Mandeloperation: Eine Mandel-Operation kann aus homöopathischer Sicht nie eine immunologische Störung heilen. Meist treten danach vermehrt Seitenstranganginen auf. Im homöopathischen Praxisalltag beobachtet man beim Studium der Krankheitsgeschichte, dass der Sitz der Krankheit nach einer Tonsillektomie (Mandeloperation) irgendwann weiter nach unten Richtung Bronchien wandert, oder dass der Blinddarm reagiert.
    Die Ärzte sind deshalb bereits zurückhaltender geworden mit den Mandeloperationen. Es wird empfohlen, nicht vor dem vierten Lebensjahr zu operieren.
  • Antibiotika:
    • Vor der Entdeckung der Antibiotika behandelten homöopathische Ärzte bereits Diphtherie oder chronische Mandelentzündungen mit grossem Erfolg.
    • Der absolute Nutzen von Antibiotika ist gering, weil Komplikationen auch ohne Behandlung selten sind. In westlichen Ländern sind das rheumatische Fieber und die akute Glomerulonephritis (Nierenentzündung) so selten, dass schwere Folgen der Antibiotikabehandlung etwa gleich häufig sein können.
    • Die frühzeitige Gabe von Antibiotika ist kontraproduktiv, da sie die spezifische Immunantwort des Organismus unterdrückt und dadurch die Reinfektion begünstigt.
    • Eine Antibiotika-Behandlung ist gut abzuwägen. Die Mehrzahl von Halsentzündungen wird durch Viren hervorgerufen (gegen die Antibiotika wirkungslos sind). Das Vorhandensein von Keimen wird in der Homöopathie nie mit Krankheit verbunden. Auch schulmedizinisch gesehen gibt es sogenannte „gesunde Träger von A-Streptokokken“. Bei diesen Menschen findet man zwar A-Streptokokken im Abstrich, sie sind jedoch nicht krank. Da bei einer Mandelentzündung nicht nur Streptokokken „als Auslöser“ in Frage kommen, kann ein Rachenabstrich oder ein Schnelltest hier falsche Ergebnisse, bzw. eine falsche Therapie auslösen. Die Sensitivität und Spezifität der am meisten verwendeten Schnelltests betragen je nach Hersteller nur 80 bzw. 95%. Die Bestimmung von Antistreptokokken-Antikörpern im Serum (Antistreptolysintiter) ist ebenfalls irrelevant, da der Titer nur den vorbestehenden Immunzustand widerspiegelt, nicht aber das akute Geschehen.
    • Ziel einer Antibiotikatherapie sollte die Linderung von Symptomen, sowie die Verhütung von eitrigen und nicht-eitrigen Komplikationen sein. Studien zeigen hier widersprüchliche Resultate. Während sich bei den einen eine um ca. 24 Stunden verkürzte Krankheitsphase ergab, konnten andere keinen Effekt nachweisen.
      siehe
      www.medicalforum.ch/pdf/pdf_d/ 2003/2003-23/2003-23-139
    • Im Gegensatz zur Nierenbeckenentzündung, die bakteriell verursacht wird, haben Glomerulonephritiden immunologische Ursachen.
    • Antibiotika verhindern den Vorgang der zum rheumatischen Fieber oder zur Glomerulonephritis führt nicht: Eine genaue Überprüfung der Komplikationen von Streptokokken-Anginen hat ergeben, dass es keinerlei Hinweis gibt, dass eine Therapie mit Antibiotika in der Lage ist die Komplikationen (z.B. rheumatisches Fieber) zu verringern und dass generell diese Komplikationen eher ein „Phantomrisiko“ (so der Wortlaut im Artikel) sind.
      In Oxford sei bereits empfohlen worden, von der unkritischen Gabe von Antibiotika bei Streptokokken-Anginen abzusehen.
      Quelle: Münchner Medizinischen Wochenschrift, MMW 31-32/2000 S. 36f.
    • Das rheumatische Fieber tritt in der industrialisierten Welt des frühen 20. Jahrhunderts im Zuge der sich stets verbessernden Lebensbedingungen immer seltener auf. Gleichzeitig wurden kaum mehr rheumatogene M-Serotypen von GABS aus Rachenabstrichen von Menschen aus höherer sozioökonomischer Schicht gefunden. Bei kleinen Kindern unter drei Jahren kommt das akute rheumatische Fieber nicht vor.
      siehe www.medicalforum.ch/pdf/pdf_d/ 2003/2003-23/2003-23-139
    • Seit den 50er Jahren sind Fälle von rheumatischem Fieber immer seltener geworden.  Eine Untersuchung von 1985 kam zu dem Ergebnis, dass ein (schottischer) Hausarzt nur alle 12 Jahre einen Fall in seiner Praxis zu Gesicht bekommt. In der Bevölkerung weniger entwickelter Länder, in denen rheumatisches Fieber verbreiteter ist, könnte der Nutzen einer Antibiose jedoch höher ausfallen. Der leichten Schutzwirkung der Antibiotika muss also im Einzelfall gegen ihre Nachteile, wie der Bildung Antibiotika resistenter Bakterienstämme, Durchfall, Hautrötungen und – je nach Medikament – anderen Nebenwirkungen abgewogen werden. Nicht zuletzt sind die Medikamentenkosten zu bedenken, und die Tatsache, dass mit der Verschreibung eines Antibiotikums unter Umständen mehrere Arztbesuche verbunden sind.
      Quelle: Del Mar CB, Glasziou PP, Spinks AB. Antibiotics for sore throat (Cochrane Review). In: The Cochrane Library, Issue 2, 2004. Chichester, UK: John Wiley & Sons, Ltd.
    • „Die Inzidenz des rheumatischen Fiebers in der industrialisierten Welt ist dermassen niedrig, dass die systematische Verschreibung von Antibiotika bei Angina nicht mehr gerechtfertigt ist. Und um einen Fall von Otitis media zu verhindern, müssten 30 Kinder oder 145 Erwachsene antibiotisch behandelt werden. Andererseits wurde der Einfluss der Antibiotika auf den Schweregrad der Symptome nie adäquat erfasst. Ebenso unklar ist, in welcher klinischen Situation Antibiotika am ehesten angezeigt sind. Schliesslich sind die meisten Studien mehr als 30 Jahre alt und qualitativ schlecht. Cochrane-Übersichten werden laufend mit neuen Studien aktualisiert.“
      Quelle: Arbeitsgemeinschaft Cochrane Collaboration. Schweiz Ärztezeitung 1996; 77: 17-20 Dokument R995 – © INFOMED 2002

Tipps aus der Naturheilkunde

Roter Rachen, schmerzender Hals, Mandelentzündung

  • Viel trinken (besser keine saure Getränke wie Orangensaft, sie reizen). Ob kalte oder lieber warme Getränke entscheidet ihr Verlangen, Trinken Sie  Lindenblüten- oder Früchtetee, Hagenbuttentee (mit Honig).
  • Medizinaltee: Salbeitee (desinfizierend), Thymiantee (keimtötend, schleimlösend)
  • Kalte Wickel: Die Wickel müssen den Hals von Ohr zu Ohr bedecken. Kalte Wickel sollten nur bei warmen Füssen gemacht werden. Sind diese kalt, vorher ein warmes Fussbad machen.
    • Kalter Wasserwickel am Hals: Baumwolltuch mit kaltem Wasser befeuchten, gut auswringen und um Hals legen. Darüber kommt ein Schal oder ein trockenes Baumwoll- oder Seidentuch.
    • Quark: Quark auf Unterlage (Taschentuch, Haushaltpapier) 1  dick auftragen, zu einem Päckchen einschlagen. Das Päckchen auflegen, mit einem Schal fixieren. Der Wickel kann 2-3 Stunden belassen werden.
    • Heilerde: Mit kaltem Wasser zu einem Brei anrühren und Wickel machen.
  • Warme Wickel:
    • Zwiebelwickel: 1-3 Zwiebeln hacken, zimmerwarm auf Taschentuch oder Haushaltpapier auslegen (od. vorher in der Pfanne auf niedriger Temperatur leicht erwärmen). Päckchen machen, auflegen (am Unterarm testen, ob der Wickel nicht zu heiss ist). Mit Zwischentuch und Aussentuch fixieren. Der Wickel kann über Nacht belassen werden. Mehrere Stunden einwirken lassen, bei Bedarf wiederholen. Vorsicht: Direkter Hautkontakt vermeiden, Zwiebeln sind hautreizend.
    • Kartoffelwickel: 2-3 Kartoffeln kochen, zerdrücken, auf ein Tuch auftragen, zu einem Päckchen einschlagen. Vor Auftragen am Unterarm testen ob das Päckchen nicht zu heiss ist. Mit Schal fixieren. Wickel solange belassen, bis er kalt wird.
  • Gurgeln Sie 2-3 mal täglich mit:
    • Salzwasser: Salz wirkt desinfizierend.½ TL Salz in einem grossen Glas Wasser auflösen.
    • Salbei; Thymian; Eibisch; Malve/Käslikraut oder Kamille (Kamille nicht während homöopathischer Behandlung). Jeweils ½ TL Tee auf ¼ l heisses Wasser, nach 5 Min. ziehen abgiessen.
  • Hausmittel:
    • Zwiebelsaft: 1-2 Zwiebeln kleinschneiden, mit 1-2 EL Zucker oder Kandiszucker bestreuen, beiseite stellen und ziehen lassen (z.B. über Nacht). Saft teelöffelweise einnehmen.
    • Eigelb in etwas Wasser verquirlen, dieses einnehmen.
    • Honig mit Apfelessig: 2 TL Honig mit 3 TL Apfelessig verrühren, in 2 dl. warmem Wasser auflösen. teelöffelweise einnehmen.
  • Halspastillen lutschen: Isländisch Moos; Thymian oder Salbei.
  • Bettruhe
  • Warm halten:
    • Hals, Brust. Hände und Füsse sollten immer warm sein. Besonders die Füsse sind reflektorisch mit dem Hals verbunden. Wenn nötig ein warmes Fussbad machen. Die gesteigerte Durchblutung regt die Stoffwechselvorgänge an.
    • Seidenschal, Rollkragenpulli anziehen (die Wärme unterstützt die Abwehrreaktion).
  • Ernährung: Reichen Sie Suppen, weiche Speisen, Speiseeis (betäubt die Schmerzen und schwellt ab).
  • Luft befeuchten, Zimmer nicht überheizen, häufig Lüften.
  • Verzichten Sie aufs Rauchen.

Behandlung Schulmedizin

  • Bei starken Schmerzen, Fieber: Acetylsalicylsäure oder Paracetamol. Achtung: Klein-Kinder sollten kein Asperin, Aspégic verabreicht bekommen (Gefahr des Reye-Syndroms).
  • Vireninfektion: Gurgeln mit desinfizierenden Spülungen; Pinselungen mit antiseptischen Lösungen.
  • Bakterielle Mandelentzündung (v.a. Streptokokken Typ A): Antibiotika, Penicillin. Es empfiehlt sich bei wiederholten Infekten vorher einen Rachenabstrich zu machen. Sollten Sie von Ihrem Arzt ein Antibiotikum erhalten, so ist unbedingt zu beachten, dass sie diese bis zur letzten Tablette einnehmen.
  • Chronische Mandelentzündung: Operative Entfernung der Gaumenmandeln oder Rachenmandel. Sie wird bei Kindern empfohlen, wenn mehr als vier schwere Mandelentzündungen im vergangenen Jahr eine antibiotische Behandlung erforderten; wenn Schluck- oder Sprachstörungen durch die vergrösserten Mandeln bestehen; wenn trotz intensiver Massnahmen, auch naturheilkundlich keine Besserung eintritt.