Migräne

Migräne


Siehe auch: Kopfschmerzen
Unter Migräne versteht man anfallsartige Kopfschmerzen, die meist einseitig auftreten und oft von Übelkeit, Erbrechen, Licht- und Lärmempfindlichkeit aber auch neurologischen Funktionsstörungen wie Sehstörungen und Sensibilitätsstörungen begleitet sind.

Ursachen

Die Ursachen für die Migräne sind bis heute nicht geklärt. Genetische Faktoren scheinen dabei eine Rolle zu spielen. Eine Theorie der mangelhaften Durchblutung (Ischämie) des Gehirns gilt inzwischen als widerlegt. Ein Mitauslöser der Migräne kann auch der Gesichtsnerv (Trigeminusnerv) sein, dessen Nervenenden an Die moderne Hypothese für die Entstehung der Migräne ist, dass es sich um eine neurogene Entzündung handelt, also eine Entzündung an den Gefässen der Hirnhaut und im Bereich des Zentralnervensystems. Die Gefässwände werden durch die Ausschüttung von Entzündungsbotenstoffen für das Blut durchlässiger, weiten sich aus.

Der Krankheit liegen mehrere auslösende Faktoren zugrunde (Triggerfaktoren), die das Auftreten eines Migräneanfalls begünstigen. Frauen sind häufiger betroffen als Männer, Leistungsorientierte, ehrgeizige und perfektionistische Menschen sind häufiger von Migräne betroffen.

Zu den auslösenden Faktoren gehören u.a.:

  • Stress, emotionale Belastungen.
  • Phase nach Stresssituation (Wochenende, Ferienbeginn)
  • Schlafmangel oder zu viel Schlaf (Wochenendmigräne!)
  • Unter, bzw. Überzuckerung
  • Alkohol, Rauchen, Kaffee, Glutamat, Süssstoffe
  • Medikamente (Schmerzmittel, Pille, usw.)
  • Allergien
  • Lichtreize (Computerspiele, Flackern, Sonne)
  • Nicht korrigierte Sehfehler, falsche Brille
  • Chronische Leiden wie Nebenhöhlenentzündungen, Zahnherde, Trigeminusentzündungen, Verdauungsstörungen (Darm, Leber, Bauchspeicheldrüse), blockierte Halswirbel, usw.
  • Histamine (z.B. histaminhaltige Nahrungsmittel wie Käse, Schokolade, Tomaten, Rotwein, Salami, Nüsse, Sauerkraut, Hefe, reife Bananen, Konserven, Fertigprodukte,  usw.)
  • Hungern, Phasen von Unterzuckerung
  • Kuhmilch
  • Lebensmittelfarbstoffe
  • Umwelteinflüsse
  • Wetteränderungen (Föhn), starke Temperaturschwankungen
  • Wechsel der Tagesrhythmik (Nachtschicht, Fernreisen, Ausgang)
  • Höhe
  • Hormonelle Veränderungen im Monatszyklus der Frau (Eisprung, Menstruation)


Symptome

Es handelt sich um meist einseitige, heftige Kopfschmerzen, welche anfallsartig auftreten. Die Attacken werden überwiegend von vegetativen Symptomen wie Übelkeit, Erbrechen und Licht- und Lärmempfindlichkeit begleitet. Im Schmerzstadium sind die Betroffenen sehr empfindlich auf Erschütterung und Berührung. Die Schmerzen werden als stark pochend, pulsierend, bohrend, stechend empfunden. Sie sind typischerweise in Stirn und Schläfe und um die Augenhöhle lokalisiert. Die Dauer eines Anfalles kann von Stunden bis mehreren Tagen reichen. Die Anfallshäufigkeit variiert stark (von einmal im Jahr bis zu beinahe täglich). Frauen sind häufiger betroffen als Männer. Vor einem Migräneanfall können auch Sehstörungen auftreten. Es kommt zu visuellen Veränderungen. Ganz typisch ist der kleine blinde Fleck im Sehfeld, der begleitet wird von erhellten Zickzackformen, die sich vom Zentrum des Sehfelds aus ausbreiten. Es kann sein, dass das vom Auge erfasste Bild zittert, oder dass sich ein kaleidoskopischer Effekt, begleitet von einer blinden Zone im Sehfeld, einstellt. Flimmerskotome (Skotom = Gesichtsfeldausfall; innerhalb des Flimmerns ist das Bild wie in 1000 Streifen geschnitten (zerbrochener Spiegeleffekt) und wird in den Farben der sichtbaren Umgebung wiedergegeben).

Migräne kommt auch bei Kindern vor. Kinder klagen dabei aber häufig über Bauchschmerzen (Bauchmigräne). Hinter Kopfschmerzen bei Kindern können sich auch Sehfehler, Entzündungen im Kopfbereich und der Niere, Kieferfehlstellungen verstecken. Die Diagnose und die Behandlung ist oft schwierig. Einerseits können Kinder sich schlecht ausdrücken, v.a. wenn sie noch klein sind, andererseits werden die Beschwerden oft gar nicht wahr genommen. Viele der erwachsenen Kopfschmerzpatienten schildern, dass ihre Schmerzerkrankung bereits im Kindes- und Jugendlichenalter ihren Anfang nahm und dass damals versäumt wurde eine gute Therapie einzuleiten. So kam es bei vielen Betroffenen zu jahrelangen Ärzte-Odysseen mit zahllosen sinnlosen Diagnostikmassnahmen und Therapieversuchen. Hinzu kommt, dass Schmerzmedikamente vorwiegend für Erwachsene konzipiert wurden, für Kinder sind sie nur bedingt tauglich.


Symptome Erwachsene

  • Einige Stunden bis 2 Tage vor dem Migräneanfall treten Müdigkeit, Konzentrationsstörungen, Übellaunigkeit, Essattacken, Nackensteifigkeit, Licht- und Geräuschempfindlichkeit, Übelkeit, Verschwommensehen, Gähnen, Blässe auf.
  • Auraphase: Die Aura ist ein neurologischer Symptomkomplex. In der Aura-Phase kommt es zu einer Verengung der Blutgefässe im Gehirn, es kommt dadurch zu einer Unterversorgung mit Sauerstoff. Je nachdem welcher Abschnitt im Hirn betroffen ist, sind die Symptome unterschiedlich. Die meisten Migränepatienten haben keine Aura. All diese Symptome bestehen nur für eine kurze Zeit:
    • Sehstörungen auf (blitzartige helle Lichter, Zickzackfiguren, Linien, Punkte, Flimmern, seltsam verzerrte Sicht, Doppelbilder, Ausfall oder Abschwächung des Gesichtsfeldes. Vielfach ist das Zentrum des Sehfeldes (Scharfsehen) betroffen, um den schwarzen Fleck im Zentrum wird alles unscharf gesehen.
    • Sensible Störungen (Missempfindungen wie Kribbeln, Taubheitsgefühle einer Körperhälfte oder des Gesichtes). Es kann durch die Taubheitsgefühle zu Bewegungseinschränkungen kommen.
    • Unabhängig von Taubheitsgefühlen kommt es zu neurologischen Ausfällen, die die Bewegungskoordination, die Koordination der Augenmuskulatur und sonstiger Muskelgruppen zur Folge hat. Hier gibt es Parallelen zur Epilepsie, die jedoch anders abläuft.
    • Der Hörsinn- und Geschmackssinn kann betroffen sein.
    • Sprachstörungen. Migräniker können oft nur noch unter Schwierigkeiten sprechen.
    • Gedächtnisstörungen. Der Betroffene weiss z.B. nicht mehr, wie er zum jetzigen Ort gekommen ist, vergisst, war er eben machen muss.
    • Frieren. Gelegentlich wird von Temperatur-Missempfindungen berichtet.
  • Schmerzphase: Die Schmerzphase kann Stunden bis Tage andauern. Die Intensität kann von Person zu Person stark schwanken. Der Schmerz kann mässig bis sehr stark sein, anfallsartig, pulsierend, pochend, drückend, bohrend. In der Regel sind die Schmerzen einseitig, meist ist die gleiche Seite betroffen. Es können auch wechselseitige Schmerzen auftreten. Begleiterscheinungen sind eine extreme Steigerung von Sinnesempfindungen (Geruch, Geschmack, Licht, Lärm), Übelkeit, Erbrechen, Harndrang, Durchfall.


Symptome Kinder

  • Das Kind hört meist zu spielen auf, es möchte sich hinlegen, schlafen, es ist blass. Die Migräne bei Kindern ähnelt der von Erwachsenen, doch es gibt auch einige Unterschiede.
  • Die Attacken sind kürzer als bei Erwachsenen.
  • Übelkeit und Erbrechen sind mehr im Vordergrund, Begleiterscheinungen wie Lärm- und Lichtempfindlichkeit sind weniger stark als bei Erwachsenen.
  • Kinder klagen öfters über diffuse Bauchschmerzen. Es kommt dabei zu Appetitlosigkeit, Blässe, Übelkeit, Erbrechen.
  • Der pulsierende oder pochende Schmerz ist meist nicht nur auf eine Kopfseite beschränkt, sondern betrifft beide Seiten und die Stirn.
  • Es kann zu Schwindelattacken und Erbrechen, ohne Kopfschmerzen kommen.
  • Manche Kinder berichten von „wunderlichen, phantastischen Bildern“ wenn sie eine Aura haben.
  • Bauchschmerzen

Wann ist eine medizinische Abklärung bei Migräne notwendig?

Kopfschmerzen können auch Symptom einer anderen Erkrankung sein! Kopfschmerzen können durch Erkältungen, Kopfverletzungen sowie nicht korrigierte Fehlsichtigkeit oder Kieferfehlstellungen verursacht werden. Aber auch ernstere Erkrankungen wie Hirnhautentzündung, Hirnblutung, Hirntumor, usw. können in Frage kommen.

  • Wenn die Schmerzen sehr stark sind oder immer stärker werden.
  • Wenn die Schmerzen nicht nachlassen oder immer wiederkehren.
  • Sich die Art des Schmerzes ändert, wenn Krampfanfälle auftreten
  • Wenn andere Beschwerden wie Schwindel, Sehstörungen, Störungen des Kurzzeitgedächtnisses hinzukommen.
  • Bei Kopfschmerzen nach einem Schlag oder Stoss an den Kopf.
  • Wenn zusätzlich hohes Fieber einsetzt.
  • Wenn der Kopf nicht mehr gebeugt werden kann (Nackensteife).
  • Wenn ungewohnt heftiges Erbrechen auftritt.
  • Wenn sich ein Zustand der Benommenheit zeigt.
  • Wenn erstmals ein Krampfanfall auftritt.
  • Wenn die Kopfschmerzen nach Einnahme eines neuen Arzneimittels auftreten.
  • Wenn man jenseits des 40. Lebensjahres erstmals Kopfschmerzen bekommt, die man so bisher nicht kannte.
  • Wenn die Kopfschmerzen mit psychischen Wesensveränderungen einhergehen.
  • Wenn erstmals neurologische Symptome wie Seh- und Sprachstörungen, Schwäche in Armen und Beinen oder eine Gangunsicherheit auftreten und länger als eine Stunde anhalten.

Tipps beim Migräne-Anfall


  • Liegen in einem ruhigen, abgedunkelten Raum, sorgen Sie für frische Luft, schlafen Sie wenn Sie können.
  • Legen Sie eine kalten oder warmen Kompresse auf die Stirn oder auf den Nacken.
  • Warmes Bad; warmes Fussbad.
  • Zwiebelwickel im Nacken wirkt schmerzlindernd.
  • Druckmassage
  • Einreiben der Stirn, Schläfen mit ätherischen Öl, z.B. Pfefferminzöl (nicht während homöopathischer Behandlung). Eventuell wird der starke Geruch aber nicht vertragen.
  • Kaffee, schluckweise getrunken


Vorsorge

  • Hilfreich sind Entspannungstechniken und regelmässige sportliche Aktivitäten.
  • Ein Kopfschmerztagebuch über 4-6 Wochen kann helfen, den Auslösern auf die Spur zu kommen.
  • Achten Sie auf genügend Schlaf (nicht erholsamer Schlaf, aber auch zu viel Schlaf erhöht die Migräneneigung)
  • Achten Sie auf eine genügende Flüssigkeitszufuhr Trinken Sie jeden Tag genügend Wasser. Täglich 2-3 Liter sollten mind. möglich sein.
  • Ernähren Sie sich ausgewogen (Unterzuckerung, bzw. Überzuckerung kann unter Umständen eine Anfall auslösen), halten Sie Essenszeiten ein.
  • Gönnen Sie Ihrer Nacken- und Schultermuskulatur Lockerungsübungen
  • Sorgen Sie für einen ergonomischen Arbeitsplatz (Computerarbeit)
  • Sorgen Sie für Bewegung, möglichst an der frischen Luft (tut auch Ihren Augen gut)
  • Eine Ausschlussdiät kann helfen, um evtl. Nahrungsunverträglichkeiten auf die Spur zu kommen (z.B. Milchunverträglichkeit/ Laktoseintoleranz, Weizenallergie, usw.).


Versuchen Sie Trigger
(Auslöser), welche mit grosser Regelmässigkeit zum Anfall führen, zu meiden.

Trigger können sein:

  • Stress
  • Hunger/ Unerzuckerung, Flüssigkeitsmangel
  • Kaffee
  • Lichteinwirkung
  • Schlafmangel, bzw. zu viel Schlaf
  • Histaminhaltige Nahrungsmittel
  • siehe auch unter Ursachen

Schulmedizinische Behandlung


  • Schmerzmittel mit Acetylsalicylsäure

    Vorsicht: Acetylsalicylsäure, (z.B. Aspirin) ist für Kinder unter 14 Jahren nicht geeignet. Der Wirkstoff kann bei Kindern eine seltene, aber gefährliche Krankheit, das sogenannte Reye-Syndrom, auslösen. Dabei kann es zu Schäden des Gehirns und der Leber kommen. Vielmehr wird Paracetamol empfohlen.

  • Nichtsteroidale Rheumatika
  • Paracetamolhaltige Schmerzmittel (sie sind besser verträglich, bei heftigen Migräneattacken helfen sie aber leider kaum).
  • Medikamente gegen die Übelkeit (z.B. Zäpfchen)
  • Bei starken Schmerzen verschreibt Ihnen Ihr Arzt spezielle Migränemittel (z.B. Triptane, Mutterkornalkaloide wie Ergotamine)
  • Beta-Blocker werden verschrieben, wenn mehr als drei sehr heftige Attacken pro Monat auftreten.
  • Magnesium, Vitamin B2, Antidepressiva

Achtung: Schmerzmittel dürfen nur wie von Ihrem Arzt empfohlen eingenommen werden. Hohe Dosen und häufige Einnahme können wiederum zu Kopfschmerzen führen. Achten Sie auch auf mögliche Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten.

Tipps aus der Naturheilkunde


  • Kalte Umschläge auf Stirn, Schläfen oder Nacken
  • Heisses Fussbad, gleichzeitig Arme in kaltes Wasser tauchen. Danach viel warmes Wasser trinken.
  • Kartoffelwickel, heisser Wasserwickel; heisses Salzkissen
  • Eisenkraut, Hopfenzapfen, Melisse
  • Heilfasten hat eine entlastende Funktion auf den Stoffwechsel in dem Schlackenstoffe ausgeschieden werden können.

Behandlung Klassische Homöopathie


Da die Migräne den Alltag und das Leben eines Menschen massiv einschränken kann (Leistungsfähigkeit, Konzentrationsschwäche, Folgeschäden durch Schmerzmedikamente), ist es umso wichtiger, dass die Betroffenen sich darum kümmern.

Kopfschmerzen sind nie allein ein lokales Geschehen. Kopfschmerzen sind meist Anzeichen einer seelischen, geistigen, nervlichen oder körperlichen Überbelastung. Oft stehen sie auch im Zusammenhang mit anderen Symptomen wie Verstopfung, Leber- und Verdauungsstörungen, Nebenhöhlenentzündungen, Haltungsfehlern, hoher, beziehungsweise tiefer Blutdruck, usw. Bei Frauen richtet sich mein Augenmerk öfters auf die Funktion der Eierstöcke (Menstruation, Wechseljahre, bzw. Zyklusstörungen) oder die hormonelle Verhütung.

In der sogenannten Schulmedizin, oder bei Therapien wo auf  lokale Symptome hin behandelt wird, beschränkt man sich hingegen auf schmerzstillende Mittel. Schmerzmittel betäuben zwar den Schmerz, die Ursache des Schmerzes wird hier aber nicht behoben. Schmerzmittel verändern das Schmerzmuster und sie erzeugen leider Nebenwirkungen (eine homöopathische Behandlung wird dadurch manchmal auch schwieriger).

Da Kopfschmerzattacken bei jedem Menschen eine andere Ursache haben, die Symptome individuell sind, muss eine genaue Anamnese gemacht werden. Eine Diagnose wie „Kopfschmerz“ führt in der Klassischen Homöopathie deshalb nie zum Behandlungserfolg. Der Mensch mit seiner Krankheitsgeschichte und seinen individuellen Symptomen steht viel mehr im Mittelpunkt der Behandlung. So ist die Lokalisation des Schmerzes und die Modalitäten (Umstände welche den Schmerz verbessern oder verschlimmern) sehr aussagekräftig für die Wahl des homöopathischen Konstitutionsmittels. Auch wie die Schmerzen wahrgenommen werden, wie der Betroffene damit umgeht, ist von Patient zu Patient unterschiedlich.

Durch eine homöopathische Behandlung werden die Selbstheilungskräfte angeregt. Während einer Behandlung lernt der Patient oft, auch mal auf seine Bedürfnisse zu achten. Was stimmt in seinem  Leben nicht? Vielleicht macht sich der Betroffene einmal Gedanken darüber ob bei ihm nicht etwa die Angst im Nacken sitzt, ihm die Wut zu Kopfe gestiegen ist, oder ob er sich aus lauter Sorgen nicht einfach den Kopf zerbricht?

Zusammenhang zwischen Kopfschmerz und Organsystemen

  • Schmerzen auf dem Schädeldach: Magenübersäuerung
  • Schmerzen im Auge:
    Störung im Eierstockbereich
    (Entzündung, Verklebung, Myom)
  • Schmerzen zuerst im Ohr, dann nach aussen: Leberbelastung
  • Schmerzbeginn im Hinterkopf:
    Gallenbeteiligung
  • Schmerzen ziehen von der HWS nach oben in den Hinterkopf:
    Nierenbeteiligung oder toxische Belastung (z.B. Medikamente)