Milchschorf

Siehe auch Kopfgneis; Ekzeme; Hauterkrankungen; Allergien; Asthma

Milchschorf (Säuglingsekzem, Seborrhoisches Ekzem, Dermatitis infantum, Crusta lactea)

Milchschorf gehört zu den atopischen Hautkrankheiten, d.h. es besteht eine Bereitschaft auf Fremdreize zu reagieren. Milchschorf ist eine nässende, schuppende Hautentzündung am Oberkopf und Wangen von Babys und Kleinkindern. Milchschorf kann sich auf den ganzen Körper ausbreiten. Es bilden sich mit der Zeit grossflächige, gelblich-braune Krusten (sie sehen aus wie angebrannte Milch). Die Haut ist gerötet und juckt heftig. Babys, die Milchschorf entwickeln, haben meist eine ziemlich trockene, empfindliche Haut, die auf verschiedene mechanische Reize, wie etwa durch Wolle mit einem Ausschlag reagiert.

Die Krankheit beginnt häufig in den ersten zwei Lebensmonaten und verschwindet etwa bei der Hälfte der Säuglinge nach einem Jahr. Bei der anderen Hälfte kann er der Anfang der Neurodermitis sein. Oft sind die Kinder unruhig, reizbar, weinerlich und schlafen schlecht. Da das Kind mit Kratzen reagiert, kann es zu Hautverletzungen kommen. Es können sich dabei Keime ansiedeln, die zu einer Infektion führen, z.B. zu einer Grindflechte (Impetigo contagiosa) . In ausgeprägten Fällen können die betroffenen Stellen von Hefepilz besiedelt werden (Rötung oder Schuppung am Rand des Ausschlags). Der Milchschorf wird oft mit dem Kopfgneis (Seborrhoisches Dermatitis), als Folgereiner übermässigen Talgproduktion verwechselt.

Unterscheidung/Differenzierung:
Milchschorf – Kopfgneis

Durch eine Überaktivität von Talgdrüsen kommt es beim Kopfgneis zu fettig glänzenden, gelbbraunen Schuppen auf dem Kopf, die im Gegensatz zum Milchschorf kaum Entzündungszeichen zeigt und wenig jucken. Zum Teil Riecht der Gneis unangenehm. In ganz ausgeprägten Fällen können die betroffenen Stellen von Hefepilzen besiedelt werden und sich am Rand des Ausschlags schuppen oder röten. In der Regel heilt der Gneis bis zum Alter von drei Monaten von selbst ab. Die Überproduktion der Talgdrüsen verschwindet oft von alleine bis zum 1. Lebensjahr.

Milchschorf Kopfgneis
Beginn Erscheint oft schon 2 Wochen nach der Geburt, intensiviert sich im ersten Halbjahr. Mit dem Zufüttern dehnt er sich meist aus. Erscheint in den ersten 4 Wochen
Dauer Mehrere Monate, bis Jahre Heilt meist nach dem 3. Lebensmonat ab
Prognose Kann in eine Neurodermitis übergehen Wird niemals chronisch, kein Symptom für spätere Allergien
Juckreiz Starker Juckreiz Kaum Juckreiz
Krusten Harte Schuppen Weiche, fetthaltige Schuppen
Allgemein-befinden beeinträchtigt Kaum beeinträchtigt

Ursachen Milchschorf

  • Vererbung
  • Allergien, z.B. Kuhmilchallergie (Säuglinge mit einer Kuhmilchallergie haben neben ausgeprägtem Milchschorf oft auch Blähungskoliken und eine Neigung zu starker Unruhe mit Schreianfällen.
    Kuhmilchallergie-Kinder atmen oft röchelnd und neigen stärker, als andere Kinder zu Problemen mit den Ohren und Polypenneigung).
  • Milchschorf bildet sich oft bei Flaschenkindern ab dem 3. Lebensmonat oder bei der Umstellung auf feste Nahrung. Lang gestillte Kinder erkranken (meist) seltener.
  • Impfungen

Symptome Milchschorf

  • Die ersten Schuppungen beginnen auf dem Schädeldach, sie breiten sich aus auf Stirn, Wangen, Ohrumgebung, Kinn, Hals und weiter auf den Körper (man spricht dann auch von Neurodermitis).
  • Es bilden sich mit der Zeit grossflächige, gelblich-braune Krusten. Die Haut ist gerötet und juckt heftig, der Ausschlag kann nässen.
  • Babys mit Milchschorf haben meist eine ziemlich trockene, empfindliche Haut, die auf verschiedene mechanische Reize wie Wolle mit einem Ausschlag reagiert.
  • Starker Juckreiz, die Kinder schlafen oft schlecht. Der Juckreiz verschlimmert sich beim Schreien, Anstrengung, Übermüdung, Stress, Schwitzen.
  • Die Babys sind meistens sehr sensibel, schreckhaft und reizbar. Sie möchten den ganzen Tag herumgetragen werden und weinen schnell.
  • Unruhe

Behandlung Klassische Homöopathie

Siehe auch: Allergien; Asthma; Kopfgneis

Normalerweise scheidet der Körper Fremdstoffe über den Darm aus. Gelingt dies nicht, bedient sich der Organismus der Haut, sie ist von der Fläche her gesehen das grösste Ausscheidungsorgan.

Milchschorf, Neurodermitis, Heuschnupfen und Asthma stehen in engem Zusammenhang zu atopischen (allergischen) Erkrankungen. Im homöopathischen Praxisalltag wird erschreckend oft beobachtet, dass Asthma meist eine Entwicklungsgeschichte hat. So litten die Betroffenen irgendwann in ihrem Leben an einer Hautkrankheit (Windeldermatitis, Milchschorf, Ekzem, Hautpilz) welcher durch Fettsalben, Cortisonsalben, Zinksalben usw. kuriert wurde. Infektionskrankheiten mit Fieber, Mittelohrentzündungen, die dann folgten, wurden wiederum unterdrückend behandelt. Dass diese Krankheit im Zusammenhang stehen wird leider übersehen, bzw. ist nicht Schulmeinung der klassischen Medizin. Dabei sind sämtliche Absonderungen und Ausscheidungsreaktionen über Schleimhäute (Darm, Ohren, Nase, usw.) ein Versuch, Giftstoffe, Abfallprodukte loszuwerden. Aber jedes Mal wurde das „Ventil“ von aussen geschlossen (Antibiotika, fiebersenkende Medikamente), das Immunsystem „künstlich heruntergefahren“.

Irgendwann tauchten dann in dieser Krankheitsgeschichte die ersten allergischen Symptome auf (Heuschnupfen, Nesselfieber, Nahrungsmittelempfindlichkeiten) welche in Asthma übergingen. Der Allgemeinzustand verschlechterte sich also immer mehr, der Organismus wird immer kränker. Die Krankheit machte eine Reise von aussen nach innen, von der Haut zu den Schleimhäuten, vom (relativ) unwichtigen Organ Haut zu lebenswichtigem Organ (Lunge).

Interessanterweise folgt Milchschorf also der Heringschen Heilregel, welche in der klassischen Homöopathie als Wegweiser für die Krankheitsentwicklung betrachtet wird. Die Heilregel besagt, eine homöopathische Heilung erfolgt stets von innen nach aussen (vom Zentrum, Nervensystem, Organ zum Hohlorgan, zu Schleimhaut, Haut, zur Oberfläche), von oben nach unten (vom Kopf zu Hand und Fuss, zur Peripherie), und in umgekehrter Reihenfolge des Auftretens von Vorerkrankungen (verschiedene unterdrückend behandelte Krankheiten kommen durch die homöopathische Behandlung nacheinander erneut zum Ausbruch, die Letzte zuerst!). Der ganze Prozess ist auch abhängig, wie hartnäckig eine äussere Beschwerde sämtlichen Heilversuchen von aussen trotzt. Je hartnäckiger eine äussere Störung bleibt, umso gefährlicher wird deren Unterdrückung mit Medikamenten! Leider ist dies eine Tatsache, welche sich später in der homöopathischen Behandlung von Asthma niederschlägt. Ich mache meine Patienten jeweils darauf aufmerksam, dass nach dem Arzneimittel der „alte“ Hautausschlag von früher wieder zum Vorschein kommen wird, dass diese Heilreaktion gewünscht ist und keinesfalls durch unterdrückende Massnahmen zum Verschwinden gebracht werden darf.

Hautausschläge, und das gilt auch für Milchschorf, werden in der Homöopathie nie lokal, d.h. mit Salben behandelt. Die Behandlung zielt ja auf die Lebenskraft und nicht auf die Haut. Erst wenn der allgemeine Zustand, Körper, Geist und Seele mit einbezogen werden, ist Heilung möglich.

Deshalb halte ich es für wichtig, bei Hautsymptomen möglichst frühzeitig eine homöopathische Behandlung in die Wege zu leiten (nicht erst, wenn monate- oder jahrelang unterdrückende Behandlungen gemacht wurden). Das heisst, tauchen erste Symptome des Milchschorfes auf, wird eine Konstitutionsbehandlung eingeleitet. Im homöopathischen Verständnis ist Milchschorf ja ein Frühsymptom für eine Belastung, bzw. für eine Veranlagung (Allergieneigung). Dies ist eigentlich ein Widerspruch zur gängigen Meinung, dass Milchschorf irgendwann von selber vergeht (oder aber sich in eine Neurodermitis entwickelt).

Durch das Reagieren auf Fremdreize (Allergieneigung), besteht die Gefahr in Zukunft an Neurodermitis, Bronchitis, Pseudokrupp, Asthma, Heuschnupfen, Konzentrationsstörungen zu erkranken. Dies ist zwar nicht zwingend, aber es ist wichtig, diese Zusammenhänge zu wissen, damit sie ihr Kind begleiten und schützen können. Bei Kindern mit Milchschorf berate ich die Eltern auch gerne betreffend Impfen. Das Für- und Wider sollte (bei Allergikern) sehr genau abgewogen werden. Zumindest sollte in den ersten 2-3 Lebensjahren, wenn überhaupt, nur gezielt geimpft werden. Nach den ersten Impfungen wird leider meist eine starke Verschlimmerung des Hautzustandes beobachtet.

Siehe auch Impfdossier

Noch etwas zur lokalen Behandlung

Wenn Ihr Kind homöopathisch behandelt wird ist in der Regel ist keine lokale Behandlung bei Milchschorf notwendig. Dies ist für die Eltern manchmal etwas schwierig zu akzeptieren. Kopf und Gesicht werden ja als erstes wahrgenommen.

  • Die Schuppen sollten nicht abgekämmt, abgekratzt werden (Infektionsgefahr). Verwenden Sie bitte auch kein Öl zum Aufweichen der Schuppen. Besser geeignet ist z.B. ein Kleiebad.
  • Bei nässendem Schorf: Abtupfen mit 1% Kochsalzlösung mit Calendulazusatz.
  • Bei starkem Juckreiz Waschungen mit 1 EL Essig auf
    2-3 l Wasser, oder verdünntes Molkosan, oder Calendula-Öl.
  • Sehr trockene Haut: Olivenöl einreiben; Bad mit etwas Olivenöl und etwas Kaffeerahm. Logona Babyöl (enthält Ringelblume).
  • Rissige Haut: Calendulasalbe

Tipps

  • Nachts nicht zu warm anziehen (Wärme fördert den Juckreiz).
  • Nägel kurz schneiden.
  • Manche Kinder reagieren auf Kunstfasern oder Wolle.
  • Möglichst lange stillen. Evtl. muss die Mutter, solange sie stillt, die Ernährung umstellen (keine Kuhmilch, Joghurt, weniger tierisches Eiweiss, kein Kaffee), Medikamente evtl. absetzen.
  • Kuhmilch, Eier, Fisch sollten erst im zweiten Lebensjahr angeboten werden, evtl. ausweichen auf Mandelmilch, Mandelpüree in Milch, Buttermilch, Ziegenmilch,
  • Darmsanierung (z.B. mit Symbioflor)
  • Keine Seife, lieber Eubos verwenden

Tipps aus der Naturheilkunde

  • Umschläge mit kaltem Schwarz-Tee
  • Kleie, Molkebad mit etwas Apfelessig
  • Johannisöl zum Betupfen entzündeter Hautstellen (Vorsicht bei Sonnenbestrahlung).
  • Bei sehr starkem Juckreiz Ringelblumensalbe.
  • Verträgliche Nahrung finden (oft besteht eine Milchallergie),
  • Stiefmütterchen-Tee zum Trinken oder Haut damit abtupfen ( 1 TL Stiefmütterchenkraut auf ¼ l kochendes Wasser, 10 Min. ziehen lassen, danach abseien).
  • Vitamine (v.a. B-Vitamine)

Behandlung Schulmedizin – Milchschorf

  • Salicylsäure-Salbe (Salicylsäure ist für Kinder ungeeignet wegen der Gefahr einer Nierenschädigung)
  • Spezialbäder
  • Babyöl, Babyshampoo
  • Antihistaminika
  • Kortisonsalbe