Verstopfung

Die Verdauung beginnt im Mund durch Zerkauen der Nahrung. Enzyme aus dem Speichel spalten die Kohlenhydrate auf. Danach beginnt ein Slalom des Speisebreis über ca. 8 m (Speiseröhre, Magen, Dünndarm 3-5 m, Dickdarm ca. 2 m. Mastdarm, Rektum ca. 20 cm).

Die Häufigkeit des Stuhlgang ist sehr verschieden, zwischen 3 mal täglich bis 3 mal die Woche ist alles normal. Erst bei weniger als 3 Stuhlgänge pro Woche spricht man von Verstopfung. Babys, welche voll gestillt werden, verwerten ihre Nahrung so gut, dass oft mehrere Tage kein Stuhlgang erfolgt (bis zu 10 Tage).

Bei zu seltener Stuhlentleerung wird der Nahrungsbrei durch Wasserentzug stark eingedickt, der Stuhl wird hart. Durch das fehlende Stuhlvolumen wird die Darmentleerung schwieriger und es entsteht ein Völle- oder Druckgefühl im Unterbauch. Es können auch Blähungen, Bauchschmerzen und plötzliche Durchfälle (Diarrhoe) mit Bauchkrämpfen auftreten.

Ursachen chronischer Verstopfung

  • Unterdrückung des Stuhlganges
  • unregelmässige Essenszeiten
  • mangelnde körperliche Bewegung
  • zu geringe Flüssigkeitsaufnahme
  • Ballaststoffarme Ernährung
  • chronischer Magenkatarrh
  • gestörte Darmflora
  • Störungen der Leber- und Gallentätigkeit
  • Verkrampfungen. Neugeborene und Kleinkinder reagieren sehr empfindlich auf Unstimmigkeiten im Umfeld, Stress der Mutter/der Familie; Kaffee, Medikamente in der Muttermilch, zu wenig Flüssigkeitszufuhr usw.
  • ungewohnte Lebensbedingungen (Reisen, Krankenhausaufenthalt, usw.)
  • Abführungsmittelmissbrauch
  • Medikamentennebenwirkungen (Aluminium- oder Eisenpräparate, Psychopharmaka, usw.)
  • Schwangerschaft
  • Erkrankungen im Darmtrakt (Entzündungen, Tumore)
  • Gallerkrankungen
  • Nierenerkrankungen

Meist liegt der Verstopfung keine ernsthafte Krankheit zugrunde. Wenn die Verstopfung jedoch länger als 3 Monate andauert und keine Besserung durch Hausmittel eintritt, sollte dies medizinisch abgeklärt werden. Dasselbe gilt wenn:

  • die Beschwerden anhalten oder – wenn die Verstopfung völlig neu für Sie ist
  • Blut im Stuhl erscheint
  • der Stuhl auf einmal dunkel bis schwarz wird
  • Wenn Schmerzen und Fieber hinzukommen.
  • Plötzliche krampfartige Schmerzen, eine angespannte Bauchdecke, Erbrechen, Windverhalten, Verdacht auf Darmverschluss (Hier dürfen Sie keine Zeit verlieren: Arzt konsultieren)

Symptome einer chronischen Darmträgheit

  • Krampfartige Schmerzen im Darmbereich, ständiger Stuhldrang
  • Druck und Schwere im Leib
  • Unwohlsein
  • Übelkeit
  • Kopfschmerzen
  • Belegte Zunge, Mundgeruch
  • Blähungen
  • Schlaflosigkeit
  • Hautunreinheiten

Behandlung Klassische Homöopathie

Bei einer Verstopfung empfiehlt sich immer eine sanfte homöopathische Behandlung.

In der Schwangerschaft oder während der Geburt werden die Kinder bereits mit Stress, Sorgen, einem lebensbedrohlichen Zustand, Medikamente, usw. beeinflusst. Diese Einflüsse sind dann oft Auslöser für die spätere Verstopfung. Der Stuhlgang hat oft auch mit Loslassen, Ängsten, angestauter Wut oder Trauer zu tun. Deshalb wird immer eine ausführliche Anamnese gemacht.

Bei akuten Beschwerden (Bauchkrämpfe, Afterrisse, usw.) hilft eine Akutbehandlung schnell aus der Krise. Später folgt dann allerdings eine Konstitutionsbehandlung.

Tipps

Häufig werden viel zu früh Abführmittel eingenommen. Durch den Dauergebrauch von Abführmitteln verringert sich die Darmtätigkeit noch weiter. Abführmittel, welche die Verdauung durch Beeinflussung des Wasserhaushaltes des Darms anregen, sollten nur kurzfristig oder in Ausnahmefällen (Reise, Krankenhaus) eingenommen werden. Auch pflanzliche Abführungsmittel mit diesem Wirkprinzip führen zu Wasser- und Salzverlusten.

Gemieden werden sollte

  • Sennesblätter oder Sennesfrüchte, oft in anderen Laxantien (Abführmitteln) enthalten ( z.B. Agiolax, Neda Fruchtwürfeln, usw.). Senna verringert die Wasser- und Elektrolytaufnahme aus dem Dickdarm (der Stuhl wird dadurch voluminöser, der Füllungsdruck im Darm steigert sich).Senna sollte höchstens während 2 bis 3 Wochen angewendet werden. Eine längere Einnahme führt zu einem Gewöhnungseffekt, zur Störung im Elektrolythaushalt und zu einer möglichen Abhängigkeit. Speziell der Kaliumverlust kann zu weiteren Komplikationen führen (Abhängigkeit, Darmschleimhautschädigung).

    In der Schwangerschaft, Stillzeit oder bei Kindern unter 12 Jahren sollte gar darauf verzichtet werden.

Versuchen Sie es doch erst mit folgenden Ratschlägen:

  • Stuhldrang nicht unterdrücken
  • Geregelte Darmentleerung (gleiche Zeit)
  • Täglich Bewegung, Sport
  • Gutes Kauen hilft die unverdaulichen Bestandteile auch wieder auszuschneiden
  • Viel Flüssigkeit (Tee, Mineralwasser, verdünnte Fruchtsäfte), langsam getrunken. Evtl. 1 Glas (warmes) Wasser morgens nach dem Aufstehen nüchtern trinken
  • Schokolade, Kakao, raffinierte Nahrungsmittel meiden
  • Überwiegend pflanzliche Kost (Gemüse, Salate, Getreide)
  • Rohkost (Vorsicht wenn dies noch ungewohnt ist: Blähungen). Mag man Rohkost nicht besonders, kann man auf Weizenkleie oder Weizenkeimflocken, täglich 10-20 g (1 gehäufter EL), Haferflocken, ungezuckerte Cornflakes ausweichen. Sie schmecken besonders gut mit Kompott (Pflaumen, Zwetschgen), Joghurt, Quark, Furchtsaft oder in einem Müesli
  • Vollwertkost: Vollkornbrot statt Weissbrot, kein raffinierter Zucker und daraus hergestellte Süssigkeiten, dafür um so mehr Salat, Gemüse aller Art (roh und gekocht). Getreidegerichte aus vollem Korn, Hülsenfrüchte, Früchte usw.
  • Ballaststoffe (Faserstoffe, z.B. Zellulose) fördern die Verdauung, sie sind für uns praktisch unverdaulich. Sie müssen gut gekaut werden, werden daher gut eingespeichelt und so mit Verdauungsenzymen angereichert. Sie verbleiben länger im Magen, dies regt die Magensäfte an, dämpft aber auch das Hungergefühl! Enthalten sind Faserstoffe in Vollkornprodukten, Gemüse, Hülsenfrüchten und Früchten. Zusammen mit reichlich Flüssigkeit quellen sie auf, vergrössern das Stuhlvolumen, dehnen so den Darm, was eine regelmässige Entleerung fördert. Rezeptoren in der Darmwand nehmen die Füllmenge wahr und lösen einen Reflex zur Entleerung aus. Eine Ballaststoff-Menge von 30 g pro Tag reicht aus (z.B. enthalten in 3 Stück Vollkornbrot). Mehr kann zu Blähungen führen. Neben Ballaststoffen in der Nahrung kommen hier Weizenkleie, Leinsamen oder Flohsamen in Frage. Man gibt neben etwas Weizenkleie z.B. 1 TL Flohsamen ins Müesli oder zu den Cornflakes. Hämorrhoiden, Ausstülpungen des Dickdarms wird so vorgebeugt.
  • Morgendliches Bauchtraining stärkt die Bauchmuskulatur und fördert die Darmentleerung: Man legt sich im Bett auf den Rücken und fährt mit den Beinen weit ausholend Rad.
    Bauchschnellübung: Ruckartiges Zusammenziehen der Bauchmuskulatur in rhythmischer Folge während 10 Min. tägl.
  • Warme Bauchwickel od. Bauchmassage im Uhrzeigersinn (selber ausgeführt mit der rechten Hand: gegen den Uhrzeigersinn).
  • Quell- oder Füllstoffe sollten als erstes angewendet werden, z.B. Flohsamenschalen, Weizenkleie, Leinsamen. Sie nehmen Wasser auf und erhöhen dadurch das Füllvolumen des Darmes. Die Darmtätigkeit wird dadurch angeregt. Es muss viel getrunken werden, die Wirkung setzt nach 2 – 3 Tagen ein.
    • Leinsamen unzerkleinert oder aufgeschlossen
      1 EL 1-2x täglich aufgelöst in mindestens 150 ml Flüssigkeit: Sie wirken als Gleit- und Quellmittel. Sie ölen quasi die Darmschleimhaut ein, die Stuhlmengen gleiten besser durch. Die Schleimsubstanzen dringen zudem in die noch unverdauten Nahrungsbestandteile ein, bringen diese zum quellen und vergrössern das Stuhlvolumen. Der Darm wird so besser gefüllt, was einen Fortbewegungsreiz auslöst. Die Darmschleimhaut wird nicht strapaziert, sie wird vielmehr mit einer Schutzschicht überzogen, er kann so ausheilen.
    • Flohsamen
      1-2x tägl. 1-2 TL in 100-200 ml Flüssigkeit, danach noch mehr trinken.
    • Getrocknete Pflaumen, Zwetschgen oder Feigen
      Abends 2-3 Früchte in Wasser einlegen, am nächsten Morgen samt Wasser essen (Feigensirup hat die gleiche Wirkung).
    • Papaya, sehr reife Banane
      Tagsüber im Stundentakt: 1 Gabel rohes Sauerkraut essen oder 1 Schluck Sauerkrautsaft trinken. Wirkt durch die Milchsäure hervorragend auf die Darmflora. Ausserdem enthält der Saft Wirkstoffe, die die Darmbewegungen anregen.
    • Eiskalter, frisch gepresster Obst- od. Gemüsesaft
  • Salze und Zuckeraustauschstoffe (sgn. osmotische Abführmittel), wie z.B. Bittersalz, Glaubersalz, Milchzucker, Lactulose, Sorbitol binden das Wasser im Darm. Die Wirkungszeit ist hier bereits nach einigen Stunden da. Es muss viel getrunken werden. Speziell der Milchzucker ist für Säuglinge und Kleinkinder geeignet.
    • Glaubersalz
      Aufgelöst in Wasser morgens nüchtern getrunken (ist aber sehr unangenehm und bitter).
    • Pulverisierter Milchzucker
      3x tägl. 1 gestrichener TL in Wasser gelöst trinken. (Milchzucker hemmt Fäulnisbakterien, begünstigt Bifidus-Bakterien und ist für die Calciumaufnahme zuständig); od Milchzuckertabletten.
    • Bei sehr trockenem Stuhl: 3x tägl. vor dem Essen je 1 Lebertran- und 1 Weizenkeimöl-Kapsel.
    • Bei älteren Leuten: Zuckermelasse
  • Glycerinzäpfchen, siegreifen nicht direkt in die natürliche Verdauung ein, sie machen den Stuhl gleitfähig. Sie wirken sehr schnell. (auch für Säuglinge und Kleinkinder geeignet.
  • Klistiere / Darmeinlauf
    Klistiere sollten nur kurzzeitig angewendet werden
    (Gefahr von Störungen im Mineral- und Wasserhaushalt). Entweder verwendet man lauwarmes Salzwasser oder eine Mischung aus Glyzerin und Wasser im Mischverhältnis 1:3 und eine Menge von 100ml. Noch schneller wirkt ein kleines Klistier mit 10 ml Glyzerin und 10 ml Wasser gemischt. Dieses Klistier wird vor allem Säuglingen und Kleinkindern gegeben, damit das Klistier seine vollständige Wirkung bringen kann, ohne gleich wieder von den Kindern heraus gepresst zu werden. Erwachsene: bei der Verabreichung auf der linken Körperseite liegen. Nach Einlauf der Lösung in das Rektum muss sich der Patient bemühen, die Lösung 10 – 20 Minuten zurückzuhalten. Bei Säuglingen und Kleinkindern nach der Anwendung des Klistiers die Pobacken einige Minuten zusammen drücken, damit die Klistierlösung genügend Zeit zum einwirken hat. Nach Eintritt der Wirkung kann es noch während mehrerer Stunden wiederholt zu wässrigen Stuhlgängen kommen. Einmalklistiere können zu Reizungen der Darmschleimhaut führen.

Kinder

Ein mehrwöchiger Versuch mit einer Kuhmilchkarenz kann zur Besserung beitragen, vorallem wenn neben der Verstopfung ein atopisches (erbliche Überempfindlichkeit) Ekzem oder häufige Erkrankungen im Atemtrakt vorliegen.

  • Ein warmes Bad und eine sanfte Bauchmassage im Uhrzeigersinn kann Wunder bewirken, meist geht der Stuhl im Wasser eh besser ab.
  • Heisser Bauchwickel
  • Melissenöl zum Einreiben
  • Einsatz für’s WC benützen (viele Kinder haben einfach Angst ins „grosse Loch“ zu fallen).Evtl. wieder das Töpfchen benützen, das Kind darf danach sein „Gschäftli“ winkend verabschieden und die Spülung selber betätigen.
  • Den Stuhlgang nicht zum „Familienthema“ werden lassen.
  • Apfelscheibe mit Honig bestreichen. Fencheltee, Orangensaft, verdünnte Fruchtsäfte, Birnen od. Dörrpflaumen als Mus, Milchzucker, Klistier (aber bitte nur in seltenen Fällen und nur kurze Zeit angewendet), Bauchmassage im Uhrzeigersinn.
  • Bitte keine geraffelte/zerriebene Äpfel geben, diesen haben eine stopfende Wirkung!
  • Bei Rissen, Rhagaden (sie brennen furchtbar) kommt es zum willentlichen Zurückhalten des Stuhles. Einreiben mit Calendulasalbe, Lebertransalbe, mehrfach täglich führt zum Abheilen.