Wochenbett-Verstopfung

Wochenbett Verstopfung


Die Verdauung beginnt im Mund durch Zerkauen der Nahrung. Enzyme aus dem Speichel spalten die Kohlenhydrate auf. Danach beginnt ein Slalom des Speisebreis über ca. 8 m (Speiseröhre, Magen, Dünndarm 3-5 m, Dickdarm ca. 2 m. Mastdarm, Rektum ca. 20 cm).

Bei zu seltener Stuhlentleerung wird der Nahrungsbrei durch Wasserentzug stark eingedickt, der Stuhl wird hart. Durch das fehlende Stuhlvolumen wird die Darmentleerung schwieriger und es entsteht ein Völle- oder Druckgefühl im Unterbauch. Es können auch Blähungen, Bauchschmerzen und plötzliche Durchfälle (Diarrhoe) mit Bauchkrämpfen auftreten. Wie in der Schwangerschaft sorgt die Hormonumstellung nach der Geburt für einen veränderten Muskeltonus im Unterleib. Aus Angst vor Schmerzen halten viele Frauen auch ihren Stuhlgang zurück. Schmerzmittel unter der Geburt können auch zu einer Darmträgheit fühlen.

Drei bis vier Tage nach der Geburt sollte sich der Darm entleeren, die Rückbildung der Gebärmutter wird so aktiviert und Hämorrhoiden vorgebeugt.

Wenn die Verstopfung länger als 3 Monate andauert und keine Besserung durch Hausmittel eintritt, sollte dies medizinisch abgeklärt werden.

Symptome einer chronischen Darmträgheit

  • Krampfartige Schmerzen im Darmbereich, ständiger Stuhldrang
  • Druck und Schwere im Leib
  • Unwohlsein
  • Übelkeit
  • Kopfschmerzen
  • Belegte Zunge, Mundgeruch
  • Blähungen
  • Schlaflosigkeit
  • Hautunreinheiten

Achtung

  • Bei anhalten Beschwerden oder wenn die Verstopfung völlig neu für Sie ist,
  • Blut im Stuhl erscheint, der Stuhl auf einmal dunkel bis schwarz wird,
  • Fieber besteht.
  • krampfartige Schmerzen und eine angespannte Bauchdecke, Erbrechen,  Windverhalten hinzukommen, sollten Sie sofort Ihren Arzt oder Ihren Homöopathen informieren. Dies ist ein Notfall, der Gesundheitszustand kann sich hier sehr schnell verschlechtern, es droht ein möglicher Darmverschluss. Allenfalls Notfallklinik benachrichtigen.

 Ursachen

  • zu geringe Flüssigkeitszufuhr, zu wenig Ballaststoffe in der Nahrung und zu wenig Bewegung
  • Bettlägerigkeit
  • Hormone (das Hormon Progestoron wirkt noch einige Tage weiter entspannend auf die Darmmuskulatur. In der Schwangerschaft wird so die Darmpassage verlangsamt, wichtige Nährstoffe könne so besser verwertet werden).
  • Erschlaffte Bauchdecke
  • Flüssigkeitsmangel (z.B. durch vermehrte Atmung, Blutverlust, vermehrtes Schwitzen während der Geburt)
  • Medikamente (z.B. Schmerzmittel; Hustenmittel; Antidepressiva; Eisenpräparate)
  • Magnesiummangel (Obst und Gemüse, Nüsse, Sonnenblumenkerne und Vollkornprodukte enthalten eine höhere Menge an Magnesium).
  • Zu geringer Darminhalt (v.a. wenn vor der Geburt ein Einlauf gemacht wurde, oder wenig Nahrung bei einer langen Geburt aufgenommen wurde).
  • Angst bei der Stuhlentleerung (durch Wundschmerz der Dammnaht od. Angst, dass sich die Naht löst, Verletzungen der Scheide, schmerzende Hämorrhoiden).
  • Mangelnder Persönlichkeitsschutz im Zimmer (mangelnde sanitäre Einrichtungen)

Tipps


  • Viel Trinken (Tee, Mineralwasser, verdünnte Fruchtsäfte, z.B. Pflaumensaft).
  • 1 Glas (warmes) Wasser morgens nach dem Aufstehen nüchtern trinken.
  • Schokolade, Kakao, raffinierte Nahrungsmittel meiden.
  • Stuhldrang nicht unterdrücken. Sorgen Sie für eine geregelte Darmentleerung (gleiche Zeit).
  • Bewegung ist wichtig, damit sich die Muskeln im Unterleib anspannen und entspannen.
  • Regelmässige Essenszeiten fördern die Verdauung (leider in den ersten Wochen mit dem Säugling manchmal etwas schwierig umzusetzen).
  • Gutes Kauen hilft die unverdaulichen Bestandteile auch wieder auszuschneiden.
  • Eine Bauchmassage mit Johannis-, oder Mandelöl im Uhrzeigersinn ist sehr wohltuend, sie regt die Darmtätigkeit an, Im rechten Unterbauch beginnend, feste, kreisende, massierende Bewegungen im Uhrzeigersinn über den gesamten Bauch ausführen, morgens vor dem Aufstehen 5 Min. lang.
  • Morgendliches Bauchtraining stärkt die Bauchmuskulatur und fördert die Darmentleerung: Man legt sich im Bett auf den Rücken und fährt mit den Beinen  weit ausholend Rad (kann allerdings erst angewendet werden, wenn die Dammnaht es zulässt).
    Bauchschnellübung: Ruckartiges Zusammenziehen der Bauchmuskulatur in rhythmischer Folge während 10 Min. tägl.
  • Die Rückbildungsübungen nach der Geburt stimulieren auch den Verdauungstrakt.
  • Gönnen Sie sich auch einmal Auszeiten für ein Bad (nach dem Wochenfluss!), usw. Verkrampfungen und innere Anspannungen haben nicht nur Auswirkungen auf Ihren Stuhlgang, sondern auch auf Ihr Kind. Neugeborene reagieren sehr empfindlich, wenn die Mutter stillt, z.B. in Form von Bauchkrämpfen.
  • Bei sehr trockenem Stuhl: 3x tägl. vor dem Essen je 1 Lebertran- und 1 Weizenkeimöl-Kapsel einnehmen.
  • Salze und Zuckeraustauschstoffe (sgn. osmotische Abführmittel), wie z.B. Bittersalz, Glaubersalz, Milchzucker, Lactulose, Sorbitol binden das Wasser im Darm. Die Wirkungszeit ist hier bereits nach einigen Stunden da. Es muss viel getrunken werden. Speziell der Milchzucker ist für Säuglinge und Kleinkinder geeignet.

Glaubersalz
Aufgelöst in Wasser morgens nüchtern getrunken (ist aber sehr unangenehm und bitter).

Pulverisierter Milchzucker
3x tägl. 1 gestrichener TL in Wasser gelöst trinken. (Milchzucker hemmt Fäulnisbakterien, begünstigt Bifidus-Bakterien und ist für die Calciumaufnahme zuständig); od Milchzuckertabletten.

  • Glycerinzäpfchen greifen nicht direkt in die natürliche Verdauung ein, sie machen den Stuhl gleitfähig. Sie wirken sehr schnell. (auch für Säuglinge und Kleinkinder geeignet.
  • Klistiere/ Darmeinläufe sollten nur kurzzeitig angewendet werden (Gefahr von Störungen im Mineral- und Wasserhaushalt).
    Entweder verwendet man lauwarmes Salzwasser oder eine Mischung aus Glyzerin und Wasser im Mischverhältnis 1:3.
    Erwachsene: bei der Verabreichung auf der linken Körperseite liegen. Nach Einlauf der Lösung in das Rektum muss sich der Patient bemühen, die Lösung 10 – 20 Minuten zurückzuhalten. Nach Eintritt der Wirkung kann es noch während mehrerer Stunden wiederholt zu wässrigen Stuhlgängen kommen.

Ernährung

  • Konsum von Zucker, Weissmehlprodukten und Schokolade meiden.
  • Ballaststoffe (Faserstoffe, z.B. Zellulose) fördern die Verdauung, sie sind für uns praktisch unverdaulich. Sie müssen gut gekaut werden, werden daher gut eingespeichelt und so mit Verdauungsenzymen angereichert. Sie verbleiben länger im Magen, dies regt die Magensäfte an, dämpft aber auch das Hungergefühl! Enthalten sind Faserstoffe in Vollkornprodukten, Gemüse, Hülsenfrüchten und Früchten. Zusammen mit reichlich Flüssigkeit quellen sie auf, vergrössern das Stuhlvolumen, dehnen so den Darm, was eine regelmässige Entleerung fördert. Rezeptoren in der Darmwand nehmen die Füllmenge wahr und lösen einen Reflex zur Entleerung aus. Eine Ballaststoff-Menge von 30 g pro Tag reicht aus (z.B. enthalten in 3 Stück Vollkornbrot). Mehr kann zu Blähungen führen. Neben Ballaststoffen in der Nahrung kommen hier Weizenkleie, Leinsamen oder Flohsamen in Frage. Man gibt neben etwas Weizenkleie z.B.  1 TL Flohsamen ins Müesli oder zu den Cornflakes. Hämorrhoiden, Ausstülpungen des Dickdarms wird so vorgebeugt.
  • Rohkost (Vorsicht wenn dies noch ungewohnt ist à Blähungen). Mag man Rohkost nicht besonders, kann man auf Weizenkleie oder Weizenkeimflocken, täglich 10-20 g (1 gehäufter EL), Haferflocken, ungezuckerte Cornflakes ausweichen. Sie schmecken besonders gut mit Kompott (Pflaumen, Zwetschgen), Joghurt, Quark, Furchtsaft oder in einem Müesli
  • Vollwertkost: Vollkornbrot statt Weissbrot, kein raffinierter Zucker und daraus hergestellte Süssigkeiten, dafür um so mehr Salat, Gemüse aller Art (roh und gekocht). Getreidegerichte aus vollem Korn, Hülsenfrüchte, Früchte usw.
  • Quell- oder Füllstoffe sollten als erstes angewendet werden,  z.B. Flohsamenschalen, Weizenkleie, Leinsamen. Sie nehmen Wasser auf und erhöhen dadurch das Füllvolumen des Darmes. Die Darmtätigkeit wird dadurch angeregt. Es muss viel getrunken werden, die Wirkung setzt nach 2 – 3 ¨Tagen ein.

    Leinsamen: 1 EL,  1-2x täglich aufgelöst in mindestens 150 ml Flüssigkeit: Sie wirken als Gleit- und Quellmittel. Sie ölen quasi die Darmschleimhaut ein, die Stuhlmengen gleiten besser durch. Die Schleimsubstanzen dringen zudem in die noch unverdauten Nahrungsbestandteile ein, bringen diese zum quellen und vergrössern das Stuhlvolumen. Der Darm wird so besser gefüllt, was einen Fortbewegungsreiz auslöst. Die Darmschleimhaut wird nicht strapaziert, sie wird vielmehr mit einer Schutzschicht überzogen, er kann so ausheilen.

    Flohsamen: 1-2x tägl. 1-2 TL in 100-200 ml Flüssigkeit, danach noch mehr trinken.

    Getrocknete Pflaumen, Zwetschgen oder Feigen: Abends 2-3 Früchte in Wasser einlegen, am nächsten Morgen samt Wasser essen (Feigensirup hat die gleiche Wirkung).

Behandlung Schulmedizin


  • Abführmittel (Laxanzien)
    Eine langfristige unkontrollierte Einnahme von Abführmitteln kann mit unerwünschten Nebenwirkungen verbunden sein oder sogar zu einer Verschlimmerung der Verstopfung führen.

Durch den Dauergebrauch von Abführmitteln verringert sich die Darmtätigkeit. Abführmittel, welche die  die Verdauung durch Beeinflussung des Wasserhaushaltes des Darms anregen sollten nur kurzfristig oder in Ausnahmefällen (Reise, Krankenhaus) eingenommen werden.

Auch pflanzliche Abführungsmittel mit diesem Wirkprinzip führen zu Wasser- und Salzverlusten. Meiden Sie Sennesblätter oder Sennesfrüchte, sie sind oft in anderen Laxantien (Abführmitteln) enthalten (z.B. Agiolax, Neda Fruchtwürfeln, usw.). Senna verringert die Wasser- und Elektrolytaufnahme aus dem Dickdarm (der Stuhl wird dadurch voluminöser, der Füllungsdruck im Darm steigert sich). Senna sollte höchstens während 2 bis 3 Wochen angewendet werden. Eine längere Einnahme führt zu einem Gewöhnungseffekt, zur Störung im Elektrolythaushalt (deshalb nicht in der Schwangerschaft und Stillzeit anwenden) und zu einer möglichen Abhängigkeit. Speziell der Kaliumverlust kann zu weiteren Komplikationen führen (Abhängigkeit, Darmschleimhautschädigung).

Behandlung Klassische Homöopathie


Bei einer Verstopfung empfiehlt sich immer eine sanfte homöopathische Behandlung. Gerade bei akuten Beschwerden helfen homöopathische Arznei nebenwirkungsfrei schnell aus der Krise. Anhand von körperlichen Symptomen, Allgemeinsymptomen, Gemütssymptomen und evtl. Auslösern (Medikamente, gestörte Wundheilung nach Dammschnitt, usw.) wähle ich das passende Heilmittel. Dann kommt der Darm auch wieder in Schwung.

Bei bereits chronifizierten Beschwerden und Hämorrhoiden empfiehlt sich eine Konstitutionsbehandlung.