Zöliakie

Zöliakie


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Zöliakie ist eine Unverträglichkeit auf Gluten (Klebereiweiss) im Getreide. Es handelt sich um eine Erkrankung der Dünndarmschleimhaut im Säuglings- und Kindesalter. Bei Erwachsenen spricht man von Sprue.

Nach der Umstellung der Kinder von reiner Milchnahrung zu Beikostnahrung (Weizengriess, Brot oder Haferflocken) kommt es zu einer allergischen Reaktion der Darmschleimhaut. Es dauert einige Monate bis die Darmschleimhaut so stark geschädigt ist, dass sich die ersten Krankheitszeichen zeigen. Zöliakie tritt meist vor dem ersten Lebensjahr auf. Die Kinder fallen durch Minderwuchs, Blässe und Appetitlosigkeit auf. Gelegentliche Bauchschmerzen, Appetitlosigkeit, Eisen- und Zinkmangel sind manchmal einziger Hinweis auf die Erkrankung.

Die Sprue des Erwachsenen wird oft sehr spät diagnostiziert. Die Krankheitszeichen sind meist weniger ausgeprägt und deshalb schwieriger einzuordnen als bei Kindern.

Ursachen

Ob ein Enzymmangel oder eine Allergie vorliegt ist noch ungeklärt. Gesichert ist, dass bei einer Zöliakie eine Unverträglichkeit auf Gluten besteht. In manchen Gegenden Europas ist die Unverträglichkeit von Gliadin in Weizen, Secalin in Roggen, Hordein in Gerste und möglicherweise Avenin in Hafer nahezu zu einer Volkskrankheit geworden.

Nach aktuellem Wissensstand wird die Zöliakie vererbt. Warum sie allerdings bei manchen ausbricht und bei anderen nicht, ist bis heute noch unklar. Normalerweise wird die aufgespaltene Nahrung über die Darmschleimhaut resorbiert. Damit dies funktioniert, ist der Darm mit vielen Darmzotten (Falten) ausgekleidet. Durch Entzündungsreaktionen und Narbenbildung bilden sich diese Zotten zurück, die Darmoberfläche wird dadurch verkleinert. Folge: Nährstoffe, Vitamine und Mineralstoffe werden vom Körper nicht mehr in ausreichenden Mengen aufgenommen, es kommt im Laufe der Zeit zu Mangelerscheinungen, Gewichtsverlust, Anämie (Blutarmut, durch Eisen-, Vitamin B 12- und Folsäuremangel), Krämpfen (Calcium- und Magnesiummangel), Vitamin-K-Mangel (Blutgerinnung kann gestört sein).

Symptome bei Kindern, seit Zufütterung mit Getreideprodukten

Wird ein Kind lange gestillt oder allergenarm ernährt, treten die Symptome erst später und auch weniger deutlich auf. Kleine Mengen Gluten gegen Ende der Stillzeit schützen Säuglinge mit einer erblichen Vorbelastung möglicherweise vor Zöliakie. Hintergrund dieser Überlegung sind Beobachtungen aus Schweden, wo Müttern in den achtziger Jahren empfohlen wurde, vier Monate zu stillen und danach glutenhaltige Beikost zu füttern. In der Folge stieg dort die Zahl der Zöliakie-Patienten drastisch an. Als die Schweden die Stillempfehlung auf sechs Monate ausdehnten, sank die Anzahl an Neuerkrankungen wieder. Ein Neugeborenes muss seine zelluläre (allgemeine) Abwehr erst aufbauen. Bis zum Alter von sechs Monaten ist ein Säugling durch mütterliche Antikörper zwar geschützt (wenn voll gestillt wurde), im Alter von 5 bis 24 Monate tragen verschiedenste Infektionskrankheiten aber zudem dazu bei, das Immunsystem zu schulen.

  • Stark aufgetriebener Bauch
  • Häufige Durchfälle
  • Der Stuhl ist massig, fettig und hell gefärbt
  • Bauchschmerzen
  • Häufiges Erbrechen
  • Appetitlosigkeit
  • Das Kind nimmt nicht zu oder verliert sogar an Gewicht (obwohl es ausreichend isst)
  • Müdigkeit
  • Übellaunigkeit, Stimmungsschwankungen
  • Schlechte Schulleistungen und Entwicklungsrückstände
  • Wachstumsstörungen
  • Es leidet häufig an Infekten
  • Entzündungen der Mundschleimhaut
  • Muskelschwäche
  • Vitaminmangel (z.B. Vitamin B 12, Vitamin K) und Mineralstoffmangel (z.B. Eisen, Zink, Calcium- und Magnesium)
  • Langfristige Folgen: Mangelerscheinungen, z. B. Zahnschäden (Kalziummangel), Blutarmut (mangelnde Eisenaufnahme im Darm)

Erwachsene

Viele Erwachsene haben eine stumme Form der Erkrankung. Das heisst, sie haben trotz charakteristischer Veränderungen der Dünndarmschleimhaut keine oder nur wenige Symptome. Diese können auch ausserhalb des Verdauungstraktes auftreten. Die Unterversorgung mit Vitaminen und Mineralstoffen tritt z.B. nur langsam zu Tage, die Beschwerden werden gerne anderen Ursachen zugeordnet. Symptome können sein:

  • Bauchschmerzen
  • Abwechselnd Durchfall, Verstopfung, Durchfälle mit voluminösen, hellfarbenen und fettigen Stühlen
  • Völlegefühl
  • Blähungen
  • Übelkeit
  • Appetitlosigkeit
  • Gewichtsverlust trotz ausreichender Kalorienzufuhr
  • Abgeschlagenheit, Müdigkeit, Antriebslosigkeit trotz genug Schlaf
  • Dunkle Augenringe
  • Langdauernde Infekte
  • Kopfschmerzen
  • Nervosität
  • Depressive Verstimmungen
  • Anämien
  • Eisen- und Zinkmangel
  • Zyklusstörungen, Fruchtbarkeitsstörungen
  • Bläschen und Aphten an der Mundschleimhaut
  • Knochen- und Gelenkschmerzen

Achtung: Blut im Stuhl ist kein typisches Zeichen für eine Zöliakie, sondern spricht für das Vorliegen einer anderen Darmerkrankung und sollte unbedingt medizinisch abgeklärt werden.

Als Folgekrankheiten können auftreten

Aufgrund uncharakteristischer oder fehlender Symptome wird Zöliakie oft erst dann diagnostiziert, wenn durch die Malabsorption Folgekrankheiten auftreten.

  • Osteoporose
  • Typ-1-Diabetes
  • Migräne
  • Gelenkentzündungen
  • Epilepsie
  • usw.

Diagnose

Es gibt viele Erkrankungen mit ähnlichen Symptomen, zum Beispiel virale oder bakterielle Infekte oder Allergien. Das macht die Diagnose schwierig. Besonders ältere Kinder, Jugendliche und Erwachsene plagen sich deshalb lange mit den Symptomen herum, bis endlich die richtige Diagnose gestellt wird.

Der Arzt erhält anhand von Bluttests Hinweise auf Zöliakie. Es wird auf den Gehalt an Antikörpern IgA und IgG getestet. Gliadin-Antikörper können auch bei Gesunden vorkommen. Ihr Auftreten allein beweist noch keine Zöliakie.

Erhärtet der Laborbefund den Verdacht, gibt eine Gastroskopie (Darmspiegelung) weiteren Aufschluss darüber, wie weit fortgeschritten die Zerstörung des Dünndarms ist. Die mikroskopische Untersuchung einer entnommenen Schleimhautprobe liefert Informationen über den Schweregrad der Schleimhautschädigung.

Behandlung Schulmedizin


  • Medikamente zur Besserung oder Heilung der Zöliakie gibt es bis jetzt nicht.
  • Die einzig wirksame Behandlungsmöglichkeit ist die Vermeidung des auslösenden Faktors durch eine lebenslange Diät (glutenfrei). Innerhalb weniger Monate, spätestens innerhalb eines Jahres erholen sich die Darmzotten.

Ernährung / Diät


Es wird empfohlen, möglichst lange zu stillen und glutenhaltige Lebensmittel frühestens ab dem 4. Monat der Nahrung beizufügen. Kleine Kinder zeigen erst Beschwerden, nachdem sie mindesten drei bis sechs Monate Vollkorn- oder Griessbrei gegessen haben.

  • Die Patienten müssen folgende Getreide und alle daraus hergestellten Produkte strikte meiden: Weizen, Roggen, Gerste, Hafer, Grünkern, Dinkel, Kamut, Einkorn, Urkorn, Erner.
  • Vorsicht ist auch geboten bei Fertigprodukten welche, Mehl, Weizenstärke, Weizenkleie oder auch direkt Gluten als Bindemittel enthalten, z.B. Kroketten, Wurstwaren, Eiscreme und Süssigkeiten.
  • Klebereiweiss wird unter anderem überall dort verwendet, wo Nahrungsbestandteile zusammengehalten oder getrennt werden müssen (Stabilisatoren, Emulgatoren, Geschmacksverstärker, Trägerstoffe, Gewürze, Trennmittel). In Fruchtsäften wird es zum Andicken zugesetzt. Aber auch in Bier, Eis, Süsswaren, Knabbergebäck und Karo-Landkaffee ist es enthalten. Selbst Brühwurst, Koch- und Rohwurst, gekochter und geräucherter Schinken, Reibkäse, Schmelzkäse, Roquefort enthalten Gluten.
  • Arzneimittel können Gluten enthalten (Weizenstärke als Hilfsstoff bei der Tablettenherstelllung).

Tipps Naturheilkunde


  • Treten bereits Zeichen eines Vitamin- bzw. Mineralstoffmangels auf, kann für einige Zeit eine Einnahme von Vitaminpräparaten notwendig werden. Durch die geschädigten Darmzellen wird weniger Zink aufgenommen. Zinkmangel bei Kindern ist häufig mit Wachstumsstörungen verbunden. Zink ist Bestandteil von über 200 Enzymen. Da es an der Zellteilung und Vermehrung beteiligt ist, ist es beim wachsenden Organismus wichtig. Im Zweifel fragen Zöliakiebetroffene lieber nach. Zink kann in Form von magenschonenden Zinkfilmtabletten (z. B. Unizink 50) ergänzt werden.
  • Darmsanierung
  • Homöopathische Impfausleitung
  • Nachtkerzenöl, Borretschöl
  • Vitamin B12

Behandlung Klassische Homöopathie


Eine Zöliakie/Sprue ist homöopathisch gesehen keine einfache Krankheit. Die Symptome sind von Person zu Person sehr unterschiedlich. Für eine Heilmittel-Verschreibung werden alle Symptome des Krankheitszustandes berücksichtigt, so auch die eventuelle Causa (Ursache). Der zeitliche Ausbruch der Krankheit ist aber manchmal schwierig zu eruieren, vielleicht war ein viraler Infekt der Auslöser dafür, dass das Immunsystem, bzw. die Darmwand mit der Glutenbelastung nicht mehr klar kam. Oder es spielten Stress, Umweltbelastungen, Impfungen, usw. eine Rolle? Erst die Anamnese wird zeigen, wo der Behandlungsansatz liegen kann.

Behandelt wird konstitutionell, dazu werden einerseits körperliche Symptome, andererseits auch Gemüts- und Geistessymptome verwendet, d.h. es wird individualisiert. Die Arzneimittelgaben werden dann dem Allgemeinzustand des Patienten angepasst.

Wie schnell eine Linderung der Symptome eintritt, ist sicherlich auch abhängig, wie viel Darmschleimhaut bereits vernarbt und wie der Allgemeinzustand ist. Die Behandlung braucht deshalb erst mal Geduld und Selbstdisziplin des Patienten (glutenfreie Diät). Erst wenn sich im Laufe der homöopathischen Behandlung Verbesserungen zeigen, kann vorsichtig versucht werden, inwieweit Gluten wieder vertragen wird (sofern die Zöliakie allergisch bedingt ist und nicht genetisch ist).

Als erste Verbesserung kann betrachtet werden, wenn die Krankheit weniger belastend empfunden wird, körperliche Symptome weniger intensiv sind, die Stühle weniger oft auftreten, der Energielevel steigt, Nebenbeschwerden wie Mundbeschwerden, Kopfschmerzen usw. nicht mehr oder in weit geringerer Intensität auftreten.